Einleitung
Die Sonne liefert uns täglich eine riesige Energiemenge – genug, um den weltweiten Energiebedarf vielfach zu decken. In der Schweiz gewinnt die Photovoltaik (PV) als umweltfreundliche und langfristig rentable Investition zunehmend an Bedeutung. Immer mehr Hausbesitzer, Unternehmen und Landwirtschaftsbetriebe setzen auf Solarstrom, um Autarkie, Unabhängigkeit von steigenden Strompreisen und einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz zu kombinieren. Doch bevor die Solarmodule aufs Dach oder auf die Freifläche kommen, stellt sich die zentrale Frage: Was kostet eine Photovoltaikanlage in der Schweiz tatsächlich?
In diesem Beitrag erfahren Sie:
- Woraus sich die Gesamtkosten einer PV-Anlage zusammensetzen
- Welche Einflussfaktoren den Preis bestimmen
- Wie hoch die Durchschnittskosten pro Kilowatt-Peak (kWp) und pro Quadratmeter sind
- Welche Förderprogramme und Subventionen es gibt
- Welche Finanzierungsmodelle und Amortisationszeiten realistisch sind
- Welche Betriebs- und Wartungskosten zu berücksichtigen sind
- Ein Blick in die Zukunft der Solarpreise in der Schweiz
Was ist eine Photovoltaikanlage?
Eine Photovoltaikanlage wandelt Sonnenlicht direkt in elektrischen Strom um. Kernkomponenten sind:
- Solarmodule (PV-Module): Halbleiterbauteile, meist aus monokristallinem oder polykristallinem Silizium.
- Wechselrichter: Er wandelt den von den Modulen erzeugten Gleichstrom (DC) in netzkonformen Wechselstrom (AC) um.
- Montagesystem: Schienen, Gerüste oder Ständer für Dach-, Fassaden- oder Freilandinstallationen.
- Verkabelung und Anschluss: DC-Kabel, AC-Kabel, Zähler und Schutzeinrichtungen.
Je nach Systemgröße kommen gegebenenfalls noch Speichersysteme (Batterien) und Energiemanagement-Systeme hinzu, um den Eigenverbrauch zu optimieren und die Einspeisung ins öffentliche Netz zu steuern.
Photovoltaik in der Schweiz: Marktüberblick
In den letzten Jahren ist die installierte PV-Leistung in der Schweiz kontinuierlich gestiegen. Ende 2023 lagen die Gesamtkapazitäten bei über 4 000 Megawatt Peak (MWp), verteilt auf tausende von Anlagen, vom Einfamilienhaus bis zu großen Gewerbedächern. Gründe für das Wachstum sind:
- Kostensenkung bei Modulen und Wechselrichtern
- Hohe Strompreise im europäischen Vergleich
- Strenge Klimaziele und die Energiestrategie 2050 des Bundes
- Attraktive Förderprogramme auf kantonaler und kommunaler Ebene
Im Branchenvergleich treiben Ostschweizer Kantone sowie der Kanton Zürich und Genf die PV-Installation besonders stark voran. Gleichzeitig sorgen innovative Geschäftsmodelle, wie Contracting oder Bürgersolarkraftwerke, dafür, dass auch Mieter und Investoren ohne eigenes Dach profitieren können.
Kostenfaktoren einer PV-Anlage
Die Gesamtkosten einer Photovoltaikanlage setzen sich aus mehreren Posten zusammen:
Kostenbestandteil | Anteil an Gesamtpreis (ca.) | Einflussfaktoren |
---|---|---|
Solarmodule | 40 % – 50 % | Typ (Mono-/Polykristallin), Leistung, Qualität |
Wechselrichter | 10 % – 15 % | String-, Mikro- oder Hybrid-Wechselrichter |
Montagesystem | 10 % – 15 % | Dachtyp (Flach-/Steildach), Trägersystem |
Planung und Projektierung | 5 % – 10 % | Komplexität, Statik, Elektriker-Planung |
Installation und Inbetriebnahme | 10 % – 15 % | Zugänglichkeit, Dachhöhe, Anschlusskosten |
Netzanschluss und Abnahme | 5 % – 10 % | Zählertausch, Netzanschlussgebühren |
(Optional) Energiespeicher | 15 % – 25 % | Batteriekapazität, Typ, Energie-Management |
Zusätzliche Einflussgrößen:
- Anlagengröße: Stückkosten pro kWp sinken bei größeren Anlagen durch Skaleneffekte.
- Dächerneigung und Ausrichtung: Optimal sind Südausrichtung und Neigung zwischen 20° und 35°.
- Zugänglichkeit: Aufwändige Gerüste oder Hebebühnen erhöhen die Installationskosten.
- Regionale Unterschiede: Kantone und Gemeinden können unterschiedliche Nutzungsgebühren oder Vorschriften haben.
Durchschnittliche Kosten pro kWp und pro Quadratmeter
Ein typischer Einfamilienhaus-Dachanlage mit 6–10 kWp (entspricht rund 35–50 m² Modulfläche) kostet in der Schweiz (Stand Mitte 2024) zwischen CHF 1 500 und CHF 1 900 pro kWp. Höhere Leistungen drücken den Stückpreis oft gegen CHF 1 300 pro kWp, während kleinere Anlagen bis CHF 2 100 pro kWp kosten können.
Anlagengröße (kWp) | Preis pro kWp (CHF) | Gesamtinvestition (CHF) |
---|---|---|
3 kWp | 1 800 – 2 100 | 5 400 – 6 300 |
6 kWp | 1 600 – 1 900 | 9 600 – 11 400 |
10 kWp | 1 500 – 1 800 | 15 000 – 18 000 |
30 kWp | 1 300 – 1 600 | 39 000 – 48 000 |
Umgerechnet auf die Modulfläche ergibt sich je nach Modulwirkungsgrad (15 %–22 %) und Installationsart ein Preis von CHF 250 bis CHF 350 pro m².
Förderprogramme und Subventionen
Die Schweiz fördert Solarstrom sowohl auf nationaler als auch auf kantonaler und kommunaler Ebene:
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Einspeisevergütung (KEV)
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Garantierte Vergütung für ins Netz eingespeisten Solarstrom (20 Jahre).
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Fokus auf sozial ausgewogene Verteilung seit Ende 2023.
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Einmalvergütungen und Investitionsbeiträge
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Viele Kantone gewähren einmalige Zuschüsse (z. B. CHF 200 pro kWp, max. CHF 1 000 pro Anlage).
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Gemeinden können zusätzliche Boni zahlen.
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Steuerliche Vergünstigungen
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Abzug der Investitionskosten von der Vermögenssteuer.
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Keine Erhöhung der Grundstückgewinnsteuer bei Verkauf.
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Förderkredite
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Kantonal garantierte Darlehen mit Zinssätzen ab rund 1 % p.a.
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Rückzahlung oft über bis zu 20 Jahre möglich.
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Durch die Kombination aus Einspeisevergütung, Zuschüssen und Steuervorteilen können die effektiven Investitionskosten um 10 % bis 25 % reduziert werden.
Finanzierung und Amortisationszeit
Finanzierungsmodelle
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Eigenkapital: Volle Kontrolle, hohe Vorabinvestition.
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Bankdarlehen / Förderkredite: Zinssätze von rund 1 %–2 % p.a.
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Contracting / Leasing: Betreiber übernimmt Finanzierung und Betrieb, Hauseigentümer zahlt Gebühr.
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Mieterstrommodelle: Solarstrom wird direkt im Mehrfamilienhaus vermarktet.
Amortisation
Die Amortisationsdauer hängt ab von:
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Investitionskosten nach Förderungen
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Eigenverbrauchsquote
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Einspeisevergütung für Überschussstrom
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Strompreisentwicklung (aktuell CHF 0,22–0,27/kWh)
Beispiel (6 kWp-Anlage):
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Investition netto: CHF 10 000
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Jahresproduktion: 6 000 kWh
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Eigenverbrauch (30 %): 1 800 kWh × CHF 0,25 = CHF 450
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Einspeisung: 4 200 kWh × CHF 0,08 = CHF 336
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Jährlicher Ertrag: CHF 786
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Amortisation: ca. 12,5 Jahre
Mit höherem Eigenverbrauch oder steigenden Strompreisen kann sich die Amortisation auf 9–11 Jahre verkürzen.
Betriebs- und Wartungskosten
Photovoltaikanlagen sind grundsätzlich wartungsarm, dennoch fallen folgende Kosten an:
Kostenart | Jährlicher Betrag (CHF) | Hinweise |
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Versicherung | 50 – 100 | Teil der Gebäudeversicherung oder separat |
Reinigung | 20 – 50 pro kWp | Alle 2–5 Jahre, abhängig von Umgebung |
Wechselrichter-Tausch | 300 – 600 pro Einheit | Lebensdauer ca. 10–15 Jahre |
Monitoring und Service | 100 – 200 | Wartungsvertrag für Überwachungssystem |
Rechnen Sie mit CHF 100–200 pro Jahr an laufenden Kosten.
Zukunftsperspektiven und Preistrends
In den letzten 15 Jahren sind die Preise für Solarmodule um über 70 % gefallen. Kurzfristige Lieferengpässe können zu Preisschwankungen führen, doch der langfristige Trend bleibt fallend.
Erwartete Entwicklungen bis 2030:
- Modulwirkungsgrade über 22 % und bifaziale Module
- Standardisierte Wechselrichter senken Kosten
- Sinkende Batteriekosten (ca. 8 % p.a.) fördern Eigenverbrauch
- Smart Grid– und Energiemanagement optimieren Netzintegration
Für die Schweiz bedeutet dies noch attraktivere Investitionsbedingungen, kürzere Amortisationszeiten und höhere Autarkiegrade.
Kosten Photovoltaikanlage Schweiz